Kindheit und Jugend

Ich wurde in der DDR geboren. Im Alter von 15 Jahren beteiligte ich mich an den Montagsdemonstrationen und rief "Wir sind das Volk". Nur drei Tage nach meinem 16. Geburtstag fiel die Mauer und wir riefen bald darauf "Wir sind ein Volk".

Mein ursprünglicher Plan, Informatik in Bulgarien zu studieren und anschließend bei Robotron in Dresden zu arbeiten, wurde hinfällig. Stattdessen entschied ich mich für ein Studium der Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Theologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

"Das Glück dieser Erde...

… liegt auf dem Rücken der Pferde.

In meiner Kindheit gab es eine Pferdekoppel hinter dem Haus meiner Eltern. Unweigerlich war ich schon früh vom Pferdevirus infiziert. 

Auch heute noch verbringe ich meine freie Zeit am liebsten auf dem Rücken meines Schimmels und erkunde die Landschaften von Wollenberg, Burgwald und Schüssler beim Reiten. Ich bin Mitglied des Reitvereins Wetter und freue mich sehr über die Gründung des Kutschenvereins Mellnau. 

Die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt

Berufliche Laufbahn

Ich habe zunächst ein Traineeprogramm bei einer deutschen Bank in Dresden erfolgreich absolviert und wurde im Anschluss "Fachberater Elektronik Banking". 

Zu dieser Zeit war das Internet noch durch 32k-Modems begrenzt, T-Online galt als führender Internetprovider und Boris Becker verkündete den berühmten Satz "Ich bin drin!". 

Später wechselte ich in die Zentrale nach Frankfurt, wo ich mich zunächst auf den Bereich des Online-Bankings spezialisierte. Bereits zu einer Zeit, als der Begriff Digitalisierung noch nicht gebräuchlich war, beschäftigte ich mich intensiv mit diesem Thema.

Noch etwas päter wechselte ich in das „Produktmanagements Investments und Vorsorge“ und übernahm sowohl Personalverantwortung als auch Projektaufgaben sowohl im Stab als auch in der operativen Linie. 

Nach einer  fast zehnjährigen Tätigkeit in Frankfurt am Main hatte ich den Wunsch nach einer beruflichen Veränderung, ich wollte  wieder in den Vertrieb , „in die Fläche“ wie man damals in der Bank sagte. Ich übernahm erneut Personalverantwortung  und als „Teamleiterin  Private Banking“ in Bremerhaven.

Ich absolvierte eine umfassende Ausbildung im Kreditgeschäft und wurde zur stellvertretende Filialleiterin Ernannt

Im Anschluss übernahm ich die Leitung der "Spezialberatung Investments" für die Region Weser-Ostwestfalen, zu dieser Zeit die zweitgrößte Flächenregion der Bank.

Diese Tätigkeit brachte ein attraktives Gehalt und einen Firmenwagen mit sich.  Jedoch erreichte ich  einen Punkt, an dem ich mir die Sinnfrage stellte: Der Führungsstil, der von mir erwartet wurde, entsprach nicht meinen Vorstellungen. Ich wollte weder auf diese Weise führen, noch selbst so geführt werden. Aus diesem Grund unterzeichnete ich vor etwa zehn Jahren einen Aufhebungsvertrag. Ich entschied mich, keine weitere Karriere bei der Bank anzustreben.

Wie hat es mich nach Wetter verschlagen?

2008 war Grenzegeangsjahr in Wetter und es liefen die Proben zum Festspiel. Mein damaliger Partner hatte eine "berittene Rolle", aber sein eigenes Pferd war lahm. Ich bot ihm an meins zu reiten, wollte mir das Spektakel aber unbedingt selbst ansehen. 

Die Energie und Begeisterung, die Leidenschaft der Laienschauspieler, die ich dort erlebte, waren beinahe unbeschreiblich. Schließlich wurde mir die Ehre zuteil, am Sonntag selbst am Festzug teilzunehmen. Es war ein unvergessliches Erlebnis! 

Auch dieses Jahr stellte ich mein Pferd für das Festspiel zur Verfügung und durfte selbst wieder beim Festzug mitreiten.

Ich im "Businesslook" - im aquamarinblauen Etuikleid

Selbständigkeit

In dieser Zeit entschied ich mich, als Unternehmensberaterin selbstständig zu werden. Mein Hauptfokus lag zunächst auf der Digitalisierung von Bankprozessen. Später erweiterte ich mein Fachgebiet um Nachhaltigkeitsaspekte in der Wertpapierberatung sowie die Anwendung der DSGVO im Bankensektor. 

Um etwas Abwechslung zu bekommen, baute ich zwischendurch auch die Facebook-Präsenzen von mittelständischen Unternehmen auf. 

Nachdem ich meine Wohnung in Bremen aufgegeben hatte, begannen mein damaliger Partner und ich mit der Suche nach einer größeren Wohnung in Wetter. Wir hatten das Glück, eine in der Nähe der Feuerwehr zu finden.Zu dieser Zeit war ich jedoch größtenteils unterwegs. Montags war ich auf Dienstreise und kehrte donnerstags zurück. Am Freitag arbeitete ich von zu Hause aus. Im Jahr 2020 änderte sich diese Situation schlagartig.

Die Feuerwehr

Aufgrund unserer Nähe zur Feuerwehr wurden wir fast unvermeidlich zu einem Gartenfest der Feuerwehr eingeladen Und auf einmal hatte ich  einen Mitgliedsantrag unterschrieben. 

Und wenn ich etwas tue, dann gern richtig. Ich fand, dass das Leben bis jetzt größtenteils gut mit mir gemeint hat und es an der Zeit war, etwas zurückzugeben. So wurde ich nicht nur passives Mitglied, sondern als Späteinsteigerin aktives Mitglied der Einsatzabteilung. 

Bei meinem Grundlehrgang war ich nicht einmal die Älteste. Ich war sehr aufgeregt! Es war über 20 Jahre her, seit ich das letzte Mal eine Prüfung absolviert hatte! Den Grundlehrgang habe ich erfolgreich bestanden und seitdem nehme ich an Einsätzen teil, sobald mein Melder losgeht.

In der Feuerwehr habe ich meinen heutigen Ehemann kennen und lieben gelernt.

Corona in Wetter

Während der Corona-Krise befand ich mich wie viele andere Menschen plötzlich ausschließlich zu Hause. Glücklicherweise hatte ich die Verantwortung für mein Pferd, was bedeutete, dass ich täglich in den Stall gehen musste, bzw. konnte. 

Beruflich wurde es sehr schwierig - es wurde fast unmöglich, neue Aufträge zu gewinnen. Zu Beginn funktionierte das Arbeiten im Homeoffice überhaupt nicht und mein Umsatz sank um 80% im Vergleich zum Vorjahr. 

Ich musste Verhandlungen mit meiner Krankenversicherung, meiner Bank und dem Finanzamt führen, um Zahlungsaufschübe zu erreichen. 

Zusätzlich half ich kleinen Unternehmern in meiner Stadt dabei, ihre Corona-Hilfen zu beantragen. 

Dann kam der Bürgermeister auf die Feuerwehr zu und fragte, ob wir den St. Elisabeth-Verein dabei unterstützen könnten, Corona-Testzentren in der Stadthalle und in den Dorfgemeinschaftshäusern in den Stadtteilen einzurichten. Mein Mann und ich, wir nahmen die Herausforderung an und organisierten die Dienstpläne der Tester und iwaren auch selbst als Tester tätig. 

Ich nah meiner ersten Corona-Impfung

Weine aus Deutschkreutz und das Unwetter

Mein Mann und ich, wir unternahmen im Jahr 2019 unsere erste gemeinsame Reise nach Deutschkreutz, um dort an einem Fest der örtlichen Feuerwehr teilzunehmen. 

Interessanterweise sind einige der Feuerwehrleute auch Winzer. Im Sommer 2020, während der Lockerungen im Zuge der Corona-Pandemie, besuchten wir erneut Deutschkreutz und wurden von den Winzern über ihre Herausforderungen informiert. Coronabedingt konnten keine Veranstaltungen stattfinden und es fehlten auch die deutschen Kunden. Der Versand einer einzigen Kiste nach Deutschland war äußerst kostspielig.

Wir sagten zu, eine Sammellieferung zu organisieren und haben alle unsere Freunde per WhatsApp kontaktiert. Als die erste Palette bereits unterwegs war, erhielten wir weiterhin Bestellungen, weshalb wir beschlossen , „es richtig zu machen“ und ein Gewerbe anzumelden. 

Zunächst haben wir unsere Produkte aus dem Keller heraus verkauft. Doch mit der Zeit wurde es zu eng, und unsere Weinhandlung fand schließlich ihr neues Zuhause im "Unwetter".

Ich bin unserem Vermieter sehr dankbar, daß er uns diesen einmalige Ort anvertraut hat. Und die Wetteraner Bürger spiegeln uns zurück, daß sie froh sind, daß wir wieder Leben in die alten Mauern eingehaucht haben - auch wenn es keine Kneipe mehr ist, sondern einen Weinhandlung. 

Doch einmal im Monat mindestens bieten wir hier auch offenen Ausschank an - als „Afterwork Weinchen“  oder in der kalten Jahreszeit auch als „Afterwork-Glühwein“ .

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